Tänze der Renaissance

Tanz ist vermutlich so alt wie die Menschheit. Zu allen Zeiten wurde getanzt. Im Mittelalter gab es die Reihen- und Reigentänze, welche von dem Volk und dem Adel gleichermaßen getanzt wurden.

Daneben gab es akrobatische und mimische Tänze, welche von umherziehenden Spielleuten (Jokulatores) dargestellt wurden. Leider sind die Tänze nur mündlich überliefert und in späteren Zeiten in Vergessenheit geraten. Lediglich durch Bilder und Andeutungen in Texten können wir uns einen Eindruck der Tänze des Mittelalters verschaffen.

Ab ca. 1350 begann in Italien sich eine neue Kulturepoche zu entwickeln, welche Renaissance genannt wird. Dies hatte auch Einfluß auf den Tanz. Die adlige Gesellschaft entwickelte ein eigenes Selbstverständnis und begann den Tanz als Mittel der gesellschaftlichen und standesgemäßen Selbstdarstellung zu nutzen. An den Fürstenhöfen wurden besonders ausgebildete Tanzlehrer beschäftigt, da der Tanz nunmehr zu der Grundausbildung eines Höflings gehörte.

Der berühmteste des Quattrocento war Domenico da Piacenza am Hof der Este in Ferrara. 1445 entstand aus seiner Feder das erste Buch, welches Tanzbeschreibungen und Schritte enthielt ( De arte saltandi et choreas ducendi / De la arte di ballare et danzare ). Domenico hatte zwei ebenfalls bedeutende Schüler, Antonio Cornazano und Guglielmo Ebreo.

Auch die Tanzweise änderte sich. Aus den Reihen- und Reigentänzen wurden Paartänze, oder Tänze mit mehreren Tänzern und Tänzerinnen, wobei die Anzahl der Damen und Herren variieren konnte. Diese Balli hatten noch oftmals einen pantomimischen Charakter, wie die Mercantia, die Händlerin der Liebe, welche allen Gehör verschafft ( 1 Dame und 3 Herren ), oder die Gilosia, die Eifersucht, in welcher sich ein Herr verschiedenen Damen zuwendet. Die Tanzmeister entwickelten besondere Schritte, wie die Riverenza, oder Continenza. Die Tänze des Quattrocento waren jedoch überwiegend noch Schreittänze, ohne großen Sprünge. Die Bassa danza, oder Basse danse ( tiefer Tanz ) war vor allem in Burgund sehr verbreitet.

Im 16. Jahrhundert, dem Cinquecento änderte sich wiederum der Tanzstil. So wurde die Galliarde sehr beliebt. Hierbei handelte es sich um einen durchwegs gesprungenen Tanz, in welchem die Tänzer kunstvolle gesprungene Variationen ausführen. Eine Abwandlung hiervon war die Volte, der „unanständigste“ Tanz der Renaissance, weil der Herr seine Dame am Blankscheit faßte und in die Luft hob. Von Elisabeth I von England wird berichtet, daß sie jeden Morgen ausgiebig die Galliarde tanzte. Die Tanzschritte und Choreographien wurden im 16. Jahrhundert aufwendiger und ausgefeilter. Großen Anteil hieran hatten die Tanz-meister Cesare Negri, am Hof in Mailand und Fabritio Caroso. Deren Tanzschriften „ Le gratie d` amore“, 1602 von Negri und „ Il ballerino“ 1581 von Caroso, wurden in mehrfachen Auflagen veröffentlicht und sind für uns wichtige Tanzanleitungen. Die Tanzmeister choreographierten Tänze für besondere Anlässe, wie Hochzeiten u.a. und die vorführenden Personenen sind namentlich bekannt.